28/08/2026
21.08.2026 SC St. Tönis 1911/20 – Eintracht Frankfurt 0:11 (0:10) – Grotenburg-Stadion – DFB-Pokal –10.893 (5.700) Zs.
„Frankfurt, wir holen uns den Coupe des Coupes - Und du Schmock guckst nur dumm aus der Wäsche, sus - Mit uns hat man net gerechnet“
Warum dieser Einstieg? Zum einen, weil ich Celo und Abdi, die eng mit der Eintracht verbunden sind, einfach feiere und der Song vorhin aufm Fahrrad lief und zum anderen, weil ich am Tag der freien Ticketvergabe des SC St. Tönis, aber so was von dumm ins Leere starrte. „1.634 warten vor ihnen“, danke dafür.
Puh, ein Zug war bereits auf Verdacht gebucht, aber am Ende zahlte sich Beharrlichkeit und etwas Fortune doch aus, sodass ich eine Karte über das Kontingent der Eintracht erhielt. Der Fünftligist aus der Oberliga Niederrhein meinte es nämlich wirklich gut, indem er dem Cupsieger von 2018 die gesamte Nordtribüne und Teile der Westkurve zusprach.
Der SC St. Tönis hat sich zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte für den DFB-Pokal qualifiziert. Der Klub aus der Apfelstadt unterlag zwar dem MSV Duisburg im Finale profitierte allerdings davon, dass sich der MSV über die 3. Liga für den DFB-Pokal qualifiziert hat, sodass sie auch ein Pokal-Ticket sicher hatten.
Meins war auch sicher und wenige Tage vor der Partie im Briefkasten. Etwas Skrupel hatte ich schon im Bereich der Frankfurter Platz zu nehmen, aber notfalls schlage ich mich mit Celo und Abdi Zitaten durch den Tag. „Power Ranger kenn'n kein'n Rückwärtsgang“ dachte ich und weiß mich ja auch zu benehmen.
Der Vortag auf Arbeit gestaltete sich dinotastisch und Freitagmorgen entlockte mir die erste Herbstdeko ein heftiges Stirnrunzeln. Sommer Leute, aber die Vorfreude war groß auf diesen Trip gen Westen. Daran änderte auch der übervolle Zug nix sowie der Geräuschpegel der Schulkassen. Egal! Nach Ankunft nutzte ich die Zeit um mal etwas durch Duisburg zu tappern. Hatte ich Bock und der Bereich um den Innenhafen gefiel mir richtig gut. Einige Adlerträger liefen mir auch bereits über den Weg und als ich den Regio gen Krefeld bestieg, potenzierte sich das Ganze auf eine recht stabile Gruppe um Männer mittleren Alters mit „Duisburg und Frankfurt Hooligan Connection“- Shirts. Wilde Geschichten taten sich da neben mir auf und finde so was ja immer spannend: „Früher konntest du im Osten noch die Trabis umschubsen, aber heute“ Gut Kirschen Essen mit den Jungs net unbedingt, aber musste ich ja auch nicht.
Der kleine Tross entstieg, neben mir, am Krefeld-Oppum. Ein kurzzeitiger Schauer setzte ein, aber es ließ sich aushalten unter einem fetten Baum im Stadtpark Uerdingen.
Lange hielt ich es aber nicht aus, da ich dieses Ungetüm von Stadion natürlich betreten wollte. Uli Versal beschrieb es bereits in seinem Besuch des KFC vom 22.02.2025:
„Und dann erstmal Wow, der Aufgang Richtung Tribüne mit den großen alten Flutlichtmasten, die riesigen Stehwälle, einfach Wow und absoluter Gänsehaut Moment. Auch die beiden sanierten Tribünen auf den Längsseiten fügen sich harmonisch in das Ensemble ein.“
Muss ich nicht groß beschreiben, da ein klares Must See der deutschen Stadionlandschaft. Unbestritten eine Wucht, die historische Spiele auch auf europäischen Niveau gesehen hat.
Europäisch ist die Eintracht dieses Saison nicht. Schon überraschend wurde eine Berechtigung für die Spielzeit 2026/27 nicht erlangt, aber die Vorfreude schien trotzdem groß bei den Adlern zu sein.
Beim Betreten der Tribüne wechselte ich recht rasch nach Staunen in die Kurve, da die aktive Szene die Tribüne in Beschlag nahm und eine Choreo aufbaute.
Diese huldigte der Diva am Main generell sowie speziell der Vereinslegende Alfred Pfaff. Der Weltmeister von 1954 absolvierte 301 Ligaspiele und erzielte 103 Tore für die Eintracht. Mit ihm holte Eintracht Frankfurt 1959 den Meistertitel.
Schönes Motiv und lange Umsetzung, für dessen die Vorsänger auch die Leute aus der Kurve zum mitmachen akquirierten. Untermalt wurde das schöne Bild mit „Allez allez allez Eintracht Frankfurt allez“, was gut schepperte in dieser Oldschoolhütte und die Leute um mich herum nostalgisch in Erinnerung schwelgen ließ. Wehmütig erinnerte sich ein älterer Herr an Pokalschlachten im alten Waldstadion. „Fußball wie er sein soll“ proklamierten viele Fanszenen in den Partien der Ersten Runde, die ja ohne den VAR auskommt. Das passte heute.
Die Nordwestkurve optisch mit vielen großen Schwenkern präsent, setzte eher auf einfach gestricktes Liedgut mit teils guten Abgehmomenten. Die Version von Scooters „Always Hardcore“ erheiterte mich sehr. Im Laufe der ersten Halbzeit wurden auch die Zaunfahnen angebracht, während sich die Equipe auf dem Feld keinerlei Blöße gab und nach vier Minuten in Führung ging. Neun weitere Dinger folgten und zweistellig ging es in die Pause. Das gab es übrigens noch nie in der langen Pokalhistorie. Keine Zweifel auf dem Platz und auf den Rängen.
Von der riesigen Südtribüne, auf welcher die Gastgeber Platz nahem, kamen vereinzelte Gesänge, was völlig okay war.
In der Pause die Frankfurter bester Laune und gut am bechern und babbeln, aber bestens gelaunt - ohne sinnlose toilet wars - ob der souveränen Leistung, der Sonne und des Stadions. Da kann schon mal die fette Zigarre angeschmissen werden.
In Hälfte zwo die Stimmung etwas gelockerter und nicht mehr so durchschlagend, aber der Song „Willst du die Nordwest beben sehn, musst du ins Waldstadion gehn.Wenn dann alles tobt und fahnen wehn',und die Fans in ihrer Kurve stehn, dann singt ein jeder für seine Liebe, für Frankfurt am Main,“ auf die Melodie von „Sound of silence“ holte mich im Gegensatz zu vielen Standardliedern richtig ab. Auf dem Rasen wurden die Zügel ebenfalls etwas lockerer gelassen und es folgte lediglich noch ein Tor zum 0:11 Endstand.
Schöner Pokalabend vor stattlicher Kulisse, wenn sich St. Tönis meiner Meinung nach auch etwas Geld durch die Lappen gehen lassen hat. Ohne um den Orgaaufwand und die Beschaffenheit des Stadions zu wissen, aber ein zusätzlicher Block in der Stehkurve im Norden wäre doch noch möglich gewesen, oder? Stecke ich natürlich nicht drin. Das altehrwürdige Rund machte an dem Tag aber eine gute Figur und der Sportclub St. Tönis fungierte als guter Gastgeber.
Nach Abpfiff ertönte noch ein eingeharktes Pippi Langstrumpf gefolgt von einem „Berlin Berlin wir fahren nach Berlin“ Darf nicht fehlen! Schauen wir mal, wie weit es für die Frankfurter Eintracht geht und ob der „Coup der Coupes“ gelingt. In der Bahn gen Duisburg nicht wenige Reisende am Handy um den Waldhof zu verfolgen. Zum Weiterkommen der Quadratstädter reichte es ebenso wenig wie für meinen Umstieg in Duisburg, da eine halbe Stunde Verspätung angehäuft wurde – wie im Carl-Benz-Stadion – nur das im Zug keiner wusste warum.
Dennoch erreichte mich mein Ziel für den Abend und wurde standesgemäß mit einem DAB im Glas von J. abgeholt. Wir verlebten noch einen schönen Abend in der Dortmunder Nordstadt, so dass dieser Pokaltag zünftig zu Ende geführt wurde. (snidi)‚
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