31/08/2026
ENDLICH!!! Dieses Wort hat bei Eishockeyfans ungefähr dieselbe Wirkung wie ein offener Kühlschrank um Mitternacht: sofortige Aufmerksamkeit, leichte Sabbergefahr und keinerlei rationale Kontrolle mehr. Für uns heißt ENDLICH: Die viel zu lange Sommerpause ist vorbei, das Eis ruft wieder und die Piranha-Flossen zucken so nervös, dass man fast einen Tierarzt dazuholen möchte. Das erste Eishockey-Wochenende liegt hinter uns. Nachdem die Rostock Piranhas seit gut einer Woche offiziell im Training waren, durften wir sie am 29.08.2026 beim Testspiel in Weißwasser gegen den Vizemeister aus Polen erstmals in der neuen Saison begutachten – streng objektiv natürlich, also mit Fanbrille, Vereinsliebe und einer Restvernunft, die irgendwo auf der Autobahn verloren ging. Das nahmen neben zahlreichen anderen Fans auch wir zum Anlass für eine kleine Auswärtstour🚗. Bereits am Freitag machten wir uns auf den Weg, um unsere Unterkünfte in Polen oder Weißwasser zu beziehen. Die Delegation in Weißwasser hatte sogar das Glück🍀, zufällig im selben Hotel zu landen wie die Raubfische selbst – was wir bei der Anreise feststellten und selbstverständlich sofort als göttliches Zeichen werteten. Oder zumindest als sehr gutes Argument, später damit anzugeben.
Manch einer hatte sogar direkten Blick auf den Mannschaftsbus vom Zimmer aus. Andere zahlen für Meerblick, wir feiern Busblick. Prioritäten muss man eben haben.
So eine Anreise macht selbstverständlich Hunger – und bevor jemand vor lauter Unterzucker noch versucht, eine Hotelzimmerkarte zu essen, ging es in ein nahegelegenes griechisches Restaurant. Das Essen war superlecker, der Ouzo reichlich vorhanden und irgendwann war bei manchem die interne Navigation nur noch im Modus „ungefähr Richtung Bett“. Außerdem gab es an diesem Abend das ein oder andere Gespräch, bei dem festgestellt wurde, dass mindestens einer einen Bauchschnabel hat. Nein, das ist kein Tippfehler. Das ist vermutlich das Ergebnis, wenn Anatomie, Ouzo und Fanclubromantik gemeinsam an einem Tisch sitzen😂. Aber irgendwann ist jeder schöne Abend vorbei, die Meute war von teils sehr langen Fahrten geschafft – es gab wirklich niemanden, der nicht irgendwo im Stau stand – und die Nachtruhe wurde eingeläutet. Mehr oder weniger elegant. Bei einigen vermutlich eher weniger.
Der Samstag stand dann ganz im Zeichen des Eishockeys🏒. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es direkt zur Eishalle von Weißwasser, um der Zukunft des Eishockeys – dem Nachwuchs – zuzuschauen. Und ich muss sagen: Die kämpfen bereits wie die Großen, nur mit vermutlich weniger Kaffee und weniger Rückenproblemen. Da wurde nicht gespielt, da wurde geflitzt, gerangelt und mit einer Ernsthaftigkeit gearbeitet, bei der so mancher Erwachsene schon beim Zuschauen einen Antrag auf Schonung stellen möchte. Am Nachmittag war es dann endlich soweit: Gemeinsam mit dem Fanclub Szene Ost - Ortsgruppe Berlin bezogen wir den Fanbogen. Schade nur, dass nicht alle anwesenden Fans diesem Beispiel gefolgt sind, um ein geschlossenes Bild abzugeben. Vielleicht war die Schwerkraft an anderen Stellen der Halle stärker – man weiß es nicht. Dann, um 14:30 Uhr, standen unsere Raubfische beim Testspiel auf dem Eis. Unterstützt wurden sie von Lenny Elwing von den Lausitzer Füchse in der Verteidigung – und dem merkte man wirklich nicht an, dass er vorher noch nicht mit der Mannschaft trainiert hatte. Es wirkte eher so, als hätte er heimlich den Piranha-Stundenplan, die Kabinenordnung und die Lieblingsgetränke auswendig gelernt. Nach drei Dritteln gab es den Sieg für unsere Mannschaft, auch wenn die letzten fünf Minuten zur Zitterpartie wurden. Nicht nur, weil es in der Eishalle recht kühl war und einige Körperteile gedanklich schon einen Umzug in wärmere Regionen beantragt hatten, sondern auch, weil der Gegner noch einmal gefährlich vor das Tor kam und bis auf ein Tor heranrückte. Trotzdem haben wir für die kurze Vorbereitungszeit ein schon sehr vielversprechendes Spiel gesehen – und das ist nach einer Sommerpause ja fast wie ein Sechser im Lotto, nur mit mehr Puck und weniger Finanzamt.
Im Anschluss wurde gemeinsam noch eine weitere örtliche Lokalität aufgesucht, bei der man im Nachhinein sagen muss: Erfahrung gesammelt, Lebenszeit investiert, kulinarisch nur knapp überlebt. Zwischen Essen, das schneller am Tisch war als die Getränke, verbranntem Bauernfrühstück und Gläsern, die offenbar zuletzt in einem früheren Leben sauber waren, war wirklich alles dabei. Der Service war heillos überfordert – vermutlich hätte selbst ein Powerplay mit zwei Mann mehr und taktischer Auszeit nichts gerettet. Bevor jetzt aber der Eindruck entsteht, dass alles schlecht war: Nein, die ein oder andere Speise hat tatsächlich geschmeckt. Wahrscheinlich aus Versehen, aber immerhin. Insgesamt können wir diese Lokalität jedoch nicht unbedingt empfehlen. Sagen wir es vorsichtig: Wer Abenteuer sucht, kann auch einfach blind rückwärts über einen Parkplatz laufen.
Auf dem Heimweg wurde Halt in Berlin gemacht. So wie wir am Samstag von den Berlinern unterstützt wurden, haben wir am Sonntag die Eisbären im Wellblechpalast unterstützt und konnten dabei in Erfahrung bringen, wie sich Connor Hannon in sein neues Team integriert hat. Auch wenn es schade ist, dass er nicht mehr für Rostock spielt, war es schön zu sehen, wie er nun bei den Füchsen unterwegs ist. Ein bisschen Herzschmerz war dabei, aber eben die sportliche Variante – ohne dramatische Musik, Zeitlupe und Taschentuch-Abo. Dort wird er seinen Weg gehen, und man darf gespannt sein, wohin ihn dieser noch führt. Wir behalten das natürlich im Blick. Rein sportlich. Fast ohne Stalking-Vibes.
Nachdem wir einen weiteren Sieg gesehen hatten, trennten sich nach und nach unsere Wege. Es war auf jeden Fall schön, nach der langen Zeit einen Großteil wiederzusehen und endlich wieder gepflegtes Eishockey zu erleben – mit allem, was dazugehört: Eis, Emotionen, kalte Füße und Gespräche, die man besser nicht protokolliert, weil sonst irgendwer Erklärungsbedarf bekommt. Die nächste Zusammenkunft unseres Fanclubs ist dann am 11.09.2026 im heimischen Wohnzimmer, wenn die Piranhas gegen die Bullen aus Halle antreten. Und wenn dieses Wochenende ein Vorgeschmack war, dann kann die Saison nur unterhaltsam werden. Wahrscheinlich laut, kalt, leicht chaotisch und genau deshalb großartig.😁
29/08/2026
27/08/2026
11/08/2026
10/08/2026