19/08/2026
READS 02 · IRVIN D. YALOM
Wenn ich nur eine:n Autor:in empfehlen dürfte, dessen Bücher ich immer wieder lesen – oder hören – würde, wäre Yalom sehr weit oben.
Seine Geschichten handeln von Menschen: von Beziehungen, Ängsten, der Suche nach Sinn, von Liebe, Verlust und Vergänglichkeit. Und ganz nebenbei eröffnet sich ein faszinierender Blick in die Welt der Psychologie.
Besonders mag ich, dass Yalom Menschen nie auf eine Diagnose oder ein Verhalten reduziert. Seine Geschichten laden dazu ein, genauer hinzusehen.
Und vielleicht steckt schon im Titel Wie man wird, was man ist ein schöner Gedanke:
Wir sind nicht fertig.
Wir bleiben offen für Erfahrungen, für Entwicklung und für neue Perspektiven.
Was ich von Yalom vielleicht am meisten mitnehme:
Wir sehen einen Menschen – aber nur einen Bruchteil seiner Geschichte.
Gute Literatur erinnert uns daran.
Sie schenkt uns neue Perspektiven.
Present Yoga
14/08/2026
METTA · LOVING-KINDNESS MEDITATION
Kann man Freundlichkeit üben?
Diese Frage finde ich spannend, weil Metta für mich weit mehr ist als eine Meditation, bei der wir uns „positive Gedanken“ zusprechen.
Wir richten unsere Aufmerksamkeit bewusst auf Wohlwollen – auch gegenüber Menschen, mit denen wir Schwierigkeiten haben.
Und genau darin liegt für mich etwas sehr Wertvolles:
Je mehr ich mich mit Psychologie, Meditation und menschlichen Lebensgeschichten beschäftige, desto vorsichtiger werde ich mit meinen eigenen Urteilen.
Natürlich kategorisiert unser Gehirn. Es sucht nach Mustern, bildet Erwartungen und greift auf vorhandene Erfahrungen zurück. Das können wir nicht einfach abschalten.
Aber wir können lernen, diese ersten Bewertungen wahrzunehmen, ohne ihnen sofort zu folgen.
Denn PresentYoga nicht nur ein Gefühl. Es ist die Bereitschaft, zwischen Wahrnehmung und Urteil einen Raum entstehen zu lassen.
Die Forschung zu Loving-Kindness Meditation ist inzwischen recht umfangreich. Studien zeigen unter anderem Zusammenhänge mit positiven Emotionen, Mitgefühl und Selbstmitgefühl. Die Ergebnisse sind allerdings nicht in allen Studien gleich eindeutig – insbesondere dann, wenn mit aktiven Kontrollgruppen verglichen wird.
Die Studien und weiterführende Literatur habe ich euch im ersten Kommentar verlinkt.
LovingKindnessMeditationPsychologie Neurobiologie Meditationsforschung Selbstmitgefühl
07/08/2026
○ READS 01
Warum beginne ich ausgerechnet mit diesem Buch?
Weil Neustart im Kopf von Norman Doidge eines der Bücher war, das einem breiten Publikum verständlich gemacht hat, was Neuroplastizität bedeutet:
*Unser Gehirn ist kein starres Organ. Es verändert sich – ein Leben lang.*
Diese Erkenntnis ist heute Grundlage vieler Bereiche der modernen Neurobiologie, Lernforschung und Psychologie. Sie erklärt, warum Gewohnheiten entstehen, weshalb Bewegung unser Denken beeinflusst und warum Veränderung auch im Erwachsenenalter möglich bleibt.
Genau deshalb gehört dieses Buch für mich zu den Grundlagen meiner Arbeit.
Ich empfehle es nicht, weil es einfache Antworten liefert, sondern weil es neugierig macht – auf das faszinierende Zusammenspiel von Gehirn, Körper und Erfahrung.
Denn ich bin überzeugt:
*Yoga ist ein Erfahrungsraum. Gute Bücher können es ebenfalls sein.*
Viel Freude beim Lesen.
Judith
Present Yoga
19/07/2026
Warum heißt es eigentlich Present Yoga?
Für mich bedeutet present mehr, als einfach nur anwesend zu sein.
Es bedeutet, den Moment bewusst wahrzunehmen. Den Körper zu spüren. Den Geist auszurichten.
*Präsenz ist eine Haltung*
Eine Haltung, die wir üben können – auf der Yogamatte und weit darüber hinaus.
Die Erkenntnisse aus der Neurobiologie, Psychologie und dem Embodiment faszinieren mich, weil sie zeigen,
> wie eng Körper und Geist miteinander verbunden sind,
> wie unsere Haltung unsere Wahrnehmung beeinflusst,
> wie Aufmerksamkeit unser Nervensystem verändert.
> Und wie aus kleinen, bewussten Erfahrungen nachhaltiges Lernen entstehen kann.
Deshalb unterrichte ich Yoga nicht als Sammlung von Asanas, sondern als Praxis der Präsenz.
Und ich denke, Präsenz ist tatsächlich eines der wertvollsten Geschenke an uns selbst, an Menschen, denen wir begegnen und an den Moment, den wir erleben und miteinander teilen.
*Be Present*
15/06/2026
Die Frage „Wie wirke ich?“ hält den Blick auf uns selbst gerichtet.
Die Frage „Was ist hier?“ öffnet ihn.
Zwischen diesen beiden Fragen liegen zwei grundverschiedene Arten, durch die Welt zu gehen.
Die eine sucht Bestätigung.
Die andere sucht Erkenntnis.
Wer wirklich interessiert ist, muss für einen Moment die eigene Geschichte verlassen:
die eigenen Urteile,
die eigenen Erwartungen,
das Bedürfnis, etwas darzustellen.
Deshalb fühlt sich echtes Interesse so lebendig an.
Es führt uns aus der Selbstbeobachtung zurück in die unmittelbare Erfahrung.
Präsenz beginnt dort,
wo das Bedürfnis zu beeindrucken endet.
29/05/2026
Viele Menschen versuchen beweglicher zu werden, indem sie stärker dehnen.
Doch häufig liegt das eigentliche Hindernis nicht im Muskel selbst —
sondern im Nervensystem.
Der sogenannte Dehnungsreflex schützt den Körper vor zu viel Spannung oder möglicher Überlastung.
Wird ein Muskel zu stark oder zu schnell gedehnt, erhöht das System oft automatisch die Spannung.
Mehr Druck führt dann nicht zu mehr Beweglichkeit —
sondern zu mehr Widerstand.
PIR („Post Isometric Relaxation“) arbeitet deshalb anders.
Durch eine kontrollierte isometrische Anspannung mit anschließender Entspannung verändert sich der Muskeltonus über neurologische Regulation.
Der Körper lässt Spannung oft nicht durch Zwang los —
sondern dann, wenn das Nervensystem Sicherheit wahrnimmt.
Genau deshalb verändern bewusste Atmung, gezielte Bewegung und Präsenz nicht nur unser Empfinden —
sondern auch die Art, wie sich der Körper bewegt.
16/05/2026
Jede Phase deines Lebens – ob kraftvoll und strahlend wie der Vollmond oder zurückgezogen und still wie der Neumond – hat ihre eigene Berechtigung, ihren eigenen Wert.
Dein Strahlen entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch deine Präsenz.
Dein Strahlen entsteht durch die Fähigkeit, dich im Wandel anzunehmen.
08/05/2026
Vielleicht ist Selbstliebe leiser,
als wir denken.
Weniger Selbstinszenierung.
Weniger Optimierung.
Mehr Beziehung.
Philautia beschreibt die Fähigkeit,
mit sich selbst verbunden zu bleiben.
Nicht nur in den leichten Momenten.
Sondern gerade dort,
wo wir uns normalerweise verlieren, verurteilen oder verlassen würden.
Die Art, wie wir uns selbst begegnen,
prägt jede Form von Nähe in unserem Leben.
15/04/2026
Atmung passiert jetzt.
Nicht später.
Nicht woanders.
Deshalb ist bewusste Atmung so klar.
Deshalb ist sie kompromisslos.
Wenn du wirklich bewusst atmest
bleibt nichts übrig, woran du dich festhalten kannst.
Nur Präsenz.
Und genau darin liegt die Kraft.