22/09/2026
+++ Wenn’s läuft, dann läuft’s – Alte Herren knüpfen nahtlos an Tourmodus an und verflüssigen Rot-Weiß Olpe +++
TuS Marialinden AH - Rot-Weiß Olpe AH 6:0 (3:0)
Expertenkreise im fußballverrückten Dorf op d’r Hüh diskutierten dieser Tage heiß über die Frage, wie die Alten Herren des TuS Marialinden eine „englische Woche“ mit dem enormen angestauten Erwartungsdruck wegstecken würden. Schließlich zeigte Spieleorganisator Schöner keine Gnade mit seinen Jungs und schickte sie direkt nach dem dreitägigen „Trainingslager“ in Bremen ins nächste schwere Heimspiel. Vielleicht aus Rücksicht auf noch lichtempfindliche Augen war die Phantasialand-Arena beim Gastspiel vom SSV Rot-Weiß Olpe am Montagabend (21.09.2026) eher romantisch als zu hell beleuchtet.
Die Recken in Schwarz-Gelb brillierten zuletzt auf allen Bühnen, die sich boten. Nach guten Figuren auf norddeutschen Tanzflächen und wankenden Weserschiffen sowie den letzten rekordverdächtig gestalteten Fußballspielen lag großer Druck auf der erfolgsverwöhnten Truppe. Sind sie in der Lage, nicht nur gut auszusehen, sondern auch ihre sportlichen Leistungen weiterhin abzurufen? Hält die Siegesserie? Wird es bald Diskussionen über Vertragsausgestaltungen und das Gehaltsgefüge geben? Hält das Team all dem Stand?
Für die Spielertrainer Rockel und Heidenreich standen drei Dinge im Fokus. Erstens: nach der Tour ist vor der Tour. Zweitens: von Spiel zu Spiel denken. Drittens: Floskeln füttern nur das Phrasenschwein. Demnach wurde schon in der Kabine kein Hehl daraus gemacht, dass es trotz des Kantersiegs im letzten Spiel auch Fehlerketten gab, die es abzustellen galt, um die Siegesserie ausbauen zu können.
Der TuS ging im gewohnten 4-2-3-1 ins Spiel. Für den angeschlagenen und erst in der zweiten Hälfte auflaufenden Schmidt startete an diesem Abend Torwartlegende „Meiler“ Müller zwischen den Pfosten. Davor schoben Sobolev, Borowietz, Leytag, Heidenreich (Abwehr), M. Engelbertz, Krull, Hauser, Strock, Eschweiler (Mittelfeld) und Keller ihre gestählten Körper aufs Grün. Von der Bank rotierte das edle Fußballbesteck namens A. „Klötzchen“ Baßin, Neumann, B. Kraus, Nowak, Föhre und Rockel auf den Kunstrasen des Geschehens. Als Referee fungierte „Collina“ Gemke.
Das Spiel begann recht munter, beide Teams waren bemüht, Akzente nach vorne zu setzen und – so sich eine Möglichkeit auftat – mit Pässen in die Schnittstellen schnell Tiefe zu suchen. Erste Annäherungen an das Tor fand der TuS in Form von Keller nach langem Präzisionsball von M. Engelbertz (1. Minute) und Eschweiler nach Vorlage von Keller (8.). Gefahrbringende Abschlüsse der Gäste blieben hingegen Mangelware, was auch an der konsequenten schwarz-gelben Abwehr lag.
Der Dosenöffner und damit erste Durstlöscher der Partie ließ schließlich noch bis zur 21.Minute auf sich warten. Nach einer Ecke des TuS tauchte zunächst Hauser unterm Ball hindurch, bis die Kugel „Paco“ Borowietz am zweiten Pfosten dankbar vor die Füße fiel. Mit großer Leichtigkeit bugsierte er das Leder aus einem Meter Entfernung über die Linie zum 1:0.
Die Gäste haderten noch einige Zeit mit diesem Rückstand, was dem TuS von Minute zu Minute mehr Oberwasser verschaffte. In der 33. Minute fiel dann das äußerst wertvolle und für diese Partie wegweisende 2:0: Während die TuS-Offensive clever Positionen verschob und Verteidiger an sich band, agierte im Zentrum M. Engelbertz gedankenschnell und schickte den mitschaltenden Keller mit einem steilen Bananenball, den dieser blitzsauber veredelte.
Noch vor der Pause stellte Schwarz-Gelb sogar auf 3:0, als Neumann energisch in der gegnerischen Hälfte das Spielgerät erbeutete und Richtung Tor brachte. Schließlich kam die Kugel zu Keller, der vorm Tor flüssig agierend und doch trocken einnetzte.
So gingen die Hausherren mit einem souveränen, aber insgesamt durchaus hart erarbeiteten 3:0 in die Pause. Die Coaches warfen die Rotationsmaschinerie an, wohlwissend dass dies in der Vergangenheit auch mal schiefgegangen war. Doch wie sich zeigen sollte, haben die Alt-Senioren des TuS den Strukturerhalt auch nach Mehrfachwechseln derart verinnerlicht, dass neben sicherem Verteidigen auch noch genug Raum für gierigen Durst nach noch mehr Toren auf dem Platz ist.
Schwarz-Gelb knüpfte nahtlos an seinen unnachahmlichen Drive aus Hälfte eins an. Nach zunächst liegen gelassenen Möglichkeiten durch „Klötzchen“ Baßin (Fernschuss, 38.) und Hauser (Gewaltheber, 45.) klingelte es in Minute 48 schließlich erneut zur Lokalrunde: Nach einer Ecke von links vollendete Nowak unter Einsatz des gesamten Oberkörpers einen überschallartigen Druckkopfball, der dem rot-weißen Keeper kometengleich um die Ohren flog und der per Einschlag in den Maschen inklusive ausgeprägter Atompilz-Bildung das 4:0 markierte.
Weiterhin tordurstig marschierte der TuS weiter. Mit zunehmender Spieldauer frage sich Olpe sicher, in welchem Horrorszenario einer Mutation zu Flüssignahrung für schwarz-gelbe Kehlen es da gelandet war. Nach etwa einer Stunde erzwang Marialinden durch erfolgreiches Pressing einen Freistoß. Olpe versuchte verzweifelt, so etwas wie eine Mauer aufzustellen, brachte aber nicht sehr viel mehr als einen reparaturbedürftigen Maschendrahtzaun zustande. Dahinter schien der Keeper eher desillusioniert Deckung zu suchen als etwaige Schüsse abzufangen, was dazu führte, dass der TuS-Schütze „Klötzchen“ Baßin sich dazu entschied, einen Strich von einem Schuss in die Marialindener Luft zu pinseln, der bereits im Olper Tor einschlug, bevor die rot-weiße Abwehr überhaupt realisieren konnte, dass soeben das 5:0 gefallen war.
Den Schlusspunkt setzte dann die Flügelrakete Hauser, der einen kraftvollen Flachpass mutmaßlich unwillentlich in einen Torschuss verzauberte, hinter dem die Olper Abwehr verdutzt hinterherguckte, als er im langen Eck die Berührung mit der Innenseite des Toraußennetzes suchte. Es stand 6:0 und Olpes Beine hatten vermutlich vollends den verflüssigten Aggregatzustand erreicht.
Die letzten Minuten verteidigten die Hausherren die Partie noch konsequent zu Ende, so dass sich nicht nur drei siegreiche Spiele in Folge notieren ließen, sondern dazu auch eine Tordifferenz von 16:1 festzuhalten blieb. Es riecht nach TuS-Alte-Herren-Rekord.
Diese Duftnote wurde in einer wie immer gesellig gestalteten dritten Halbzeit mit Stadionwurst und Kaltgetränken zelebriert. In der kommenden Woche gastiert dann Frielingsdorf in der Phantasialand-Arena und es empfiehlt sich schon jetzt, sich frühzeitig an die bekannten Vorverkaufsstellen zu wenden, bevor alle frei verfügbaren Tickets vergriffen sind.