18/09/2026
1.FC Frankfurt E.V. e.V. - ZFC Meuselwitz 2:5 (Oberliga Süd), Stadion der Freundschaft, 510 Zuschauer, Spielnote 3
Eigentlich war heute ein Treffen mit Rani Al Kassem geplant. Der Coach von Berlinligist Blau-Weiß 90 hatte mir die Unterstützung meiner Spendenaktion in Form eines Trikots von Anis Ben Hatira zugesichert. Leider hat sich Rani seit zwei Wochen nicht mehr bei mir gemeldet. So switchte ich vom Mommsenstadion um und es sollte heute geografisch in die komplett andere Richtung gehen. Nach einem kurzen Austausch mit meinem Freund Stefan Räthel, der beim 1.FC Frankfurt Jugendtrainer ist, waren Seppi und ich seine VIP´s beim Oberligaspiel des Schlusslichts gegen Regionalliga-Absteiger Meuselwitz. Der Brandenburgligameister der letzten Saison zahlt schon seit Beginn dieser Spielzeit massig an Lehrgeld, während man in Zipsendorf den Wiederaufstieg anpeilt und mit Germania Halberstadt punktverlustfrei in den Spieltag ging.
Eine Stunde vor Anpfiff, vermeintlich, parkten wir genau vor dem Eingangsbereich. Da die Gäste aber im Stau standen, wurde der Spielbeginn eine halbe Stunde nach hinten verlegt. Somit hatten wir genügend Zeit erst einmal dieses wunderschöne Stadion zu begutachten. Du hast immer wieder diese DDR-Vibes, obwohl ich während der Europapokalnacht der Oderstädter gegen Juventus Turin, noch ein feuchter Traum im Hodensack meines Vaters war. Der war ja im Jahr 1974 genau auf den Tag heute genau selber noch Teenager. In den heiligen Hallen des Vereins vor der Haupttribüne, erinnern einige Bilder an die Erfolge vergangener Tage. Das weite Rund mit diesem Charme des Marathontors gepaart mit der neuen Flutlichtanlage einen Moderne und Vergangenheit. Immer wieder ein erwärmendes Gefühl, wenn man dort Fußball guckt.
Auf der Anlage hast du dann ganz viel rot-gelb gesehen. Das hat natürlich seinen Grund. Die vielen Fans wollen ihren FC Vorwärts zurück und auf der kommenden Mitgliederversammlung entscheiden eben diese, ob der Traum vieler Traditionisten, auch der meiner Hopperfreunde Daniel und Liane, wahr werden könnte. Wenn die Menschen im Verein schlau sind, kann es nur diesen Weg geben, weil er neue Chancen bietet und in der Stadt eine neue Wucht entfachen kann. Ich als Fußballromantiker stelle mich da natürlich klar auf die Seite der engagierten Fans.
Angestellt habe ich mich erstmal am Grill, wo man eine leckere Bratwurst im Brötchen für 3€ erwerben konnte und die 0,4er Cola für 2,50€ gab es schon im FCV-Becher. Dieser ersetzt in meiner Sammlung den des 1.FC, den ich einfach weiter verschenken werde.
Um 19:00Uhr endlich liefen die Spieler zur Choreo der Heimfans mit vier Blockfahnen-Elementen in rot-gelb-rot, den dazu passenden wehenden Fähnchen und dem Banner mit der Aufschrift "Der Rot-Gelbe Stolz der Stadt kehrt zurück an seinen Platz" ein.
Dieser Push der Fans schwappte bei den Spielern maximal beim verteidigen über. Meuselwitz schnürte die Hausherren sofort ein und der gegnerische Strafraum war den Oderstädtern zunächst nur aus Erzählungen bekannt. Die Gäste hatten bis auf das Kopfballtor direkt vor der Pause von Florian Hansch aber auch nicht die Kracher an Chancen zu bieten. Hansch war es auch, der viel zu einfach drei Frankfurter schöne Grüße bestellte und nach Wiederanpfiff auf 0:2 stellte. Wären es übrigens 10 Grad kälter gewesen, hätte man ZFC-Keeper Lukas Sedlak eine Heizdecke geben müssen. Bis zum Anschlusstreffer von Tetsuya Takahashi berührte er den Ball letztmalig, als Schiri Jonas Ebert ihm die Pille zum Test vor Spielbeginn überreichte. Er schaute nicht schlecht, da schoss Alhasan das 2:2 und plötzlich war das "SdF" ein Tollhaus. Leider hat man an der Oder aber ein echtes Torwartproblem. Sorry, aber beim 2:3 ist der Ball nach dem Freistoß von Nils Schätzle lange in der Luft und segelt durch den Fünfmeterraum. Da muss ich wie ein Mann raus und die Kirsch aus der Luft pflücken. Eric Stiller köpfte aber ein und als Schätzle erneut wenig später einen Freistoß flach in den Strafraum zimmerte, rutschte Fabian Stößer raus in Richtung Spielgerät und patschte Hansch das Ding vor die Füße - 2:4. Stößer konnte mit einer Parade vom Punkt gegen Mäder zumindest ein positives Signal seiner Klasse senden. Alessandro Schulz köpfte in der Nachspielzeit sogar noch zum 5:2 ein und die nächste harte Niederlage für die Frankfurter war besiegelt. Bitter! War schon ne geile Atmosphäre bei den Toren und diese zeigt, was du hier auslösen kannst, wenn der Fußball erfolgreicher wäre. So bleibt man punktlos am Ende der Tabelle, während Meuselwitz erstmal an die Tabellenspitze der Oberliga Süd springt. Ein harter Freitagabend unter Flutlicht für die Spieler, aber auch für diese fantastischen Anhänger.
8€ bezahlt man übrigens am Eingangsbereich und bekommt eine schöne Eintrittskarte in die Hand. Euch erwarten ein Traditionsverein, der zurück zu den Wurzeln kommt, weil Menschen mit Herzblut und Liebe zur Vergangenheit des Vereins, ganz viel bewegen wollen. Das alles hat mit dem schönen Stadion eine Romantik, wie man sie u.a. auch bei der BSG Stahl Brandenburg sieht. Wer hier nicht Halt macht, der verpasst richtig viel Nostalgie und Fußballgefühl. Also, hin da!