24/08/2026
🟣 Letzter Blog aus Aachen 🟣
WM-Blog aus Aachen 🐴🇩🇪 | von Gabriele Pochhammer (Teil 9) ✍️
Was für ein krönender Abschluss! Der Schweizer Steve Guerdat war schon Olympiasieger, Europameister und mehrfacher Weltcupsieger, jetzt ist er auch Weltmeister 🌎🥇auf der unvergleichlichen 13-jährigen Selle-Français-Stute Dynamix de Bélhème, die als einziges Pferd 🐴 in allen fünf schweren Parcours keine Stange heruntergetreten hatte. Natürlich haben wir unseren deutschen Reitern die Daumen gedrückt, aber die hatten am Sonntag alle nicht die richtigen Hosen an, kassierten einen oder zwei Abwürfe oder wie Richard Vogel eine Verweigerung, als er United Touch S in einem abenteuerlich spitzen Winkel auf die dunkelblaue Mauer zusteuerte. Kein deutscher Nuller in beiden Parcours des Finales, warum auch immer. Wie gut, dass die deutschen Springreiter am Freitagabend ihren souverän gewonnenen Mannschaftstitel 🏆🎉 so ausgiebig gefeiert haben! Daniel Deußer war Sechster und damit bester Deutscher, Marcus Ehning Siebter, sein Coolio verlor im A-Kurs ein Eisen, und Sophie Hinners wurde Neunte, also drei Reiter unter den Top Ten – man muss einfach das Positive sehen 🙌.
Bei der Pressekonferenz erlebten wir einen nachdenklichen Steve Guerdat. Er hat jetzt alles erreicht, was dieser Sport seinen Akteuren bietet, das müsse jetzt erst mal sacken, sagt er. Und nach zwei, drei Monaten habe er vielleicht auch wieder die Motivation, weiterzumachen. Verabschieden werde er sich noch nicht, obwohl es manchmal so klang. Steve hat eine schwere Zeit mit zwei Rückenoperationen hinter sich und ist irgendwann zu der Erkenntnis gekommen, dass das Leben noch anderes bereithält, etwa die Zeit mit Familie und Freunden.
Silber und Bronze gingen an die nächste Generation Springreiter, Silber 🥈 für den hochtalentierten Belgier Thibaut Spits auf dem elfjährigen KWPN-Hengst Impress-K van’t Kattenheye Z, der zurzeit noch die Rangliste der U25-Reiter anführt und bei der EM im vergangenen Jahr Dritter war. Ihm und dem Bronzereiter 🥉 Harry Charles gehört die Zukunft. Charles, der mit der Apple-Erbin Eve Jobs verheiratet ist, hat seine neuseeländische Stute Freda, die allerdings vollständig holsteinisch gezogen ist, v. Colman-Casall, erst ein paar Monate unter dem Sattel und konnte sich nach dem ersten Tag mit einem Zwischenergebnis von 7,17 Minuspunkten vor dem Finale wenig Hoffnung auf eine Einzelmedaille machen. Warum er trotzdem geritten sei, wurde er gefragt. „Ich habe ChatGPT gefragt, ob ich eine Medaille kriege. Die Antwort war: Es ist unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.“ 🤝
Beim Vierspännerfahren brillierte mal wieder der Australier 🇦🇺 Boyd Exell, der im Kegelfahren den Weltmeistertitel klarmachte. Gleichzeitig sicherte er dem australischen Team die Goldmedaille. Das deutsche Team landete auf einem achtbaren vierten Platz, beste Einzelfahrerin wurde Anna Sandmann als Sechste.
Die Deutschen zeigten sich als gute Gastgeber, was ihnen nicht zuletzt deshalb so leichtfiel, weil sie mit 20 Medaillen souverän den Medaillenspiegel anführten: sieben goldene, fünf silberne und acht bronzene, vor den USA 🇺🇸(6 Goldmedaillen) und Großbritannien 🇬🇧( 4).
Noch bevor die letzte Hymne 🎶 gespielt, die letzten Medaillen verteilt, die letzten warmen präsidialen Worte gesprochen und die letzten Pferde auf die Ehrenrunde galoppiert waren, stand fest: Aachen toppte alles, was es bisher an Championaten gab. 500.000 Zuschauer! Nicht mehr unter dem pompösen Namen „Weltreiterspiele“, sondern als Weltmeisterschaft in den sechs Disziplinen Vielseitigkeit, Dressur, Springen, Voltigieren, Vierspännerfahren und – zum ersten Mal dabei – Paradressur. Die Parareiter, die uns immer wieder mit ihren unglaublichen Leistungen auf ihren so schönen und liebenswürdigen Pferden imponieren, sollen auch weiterhin in Aachen dazugehören ☝️. Für sie wurden Ställe und andere Nebengebäude behindertengerecht gestaltet. Die Distanzreiter vermisste keiner ❌, sie passen einfach nicht in die Pferdesportszene in Aachen und sorgten immer wieder für unschöne Bilder, die den gesamten Pferdesport in Verruf brachten. An die Strecke vor 20 Jahren durch Belgien, die Niederlande und Deutschland, zum Teil durch Dörfer und über steinige Pfade, erinnert sich niemand mehr gerne. Auch nicht an die Bilder der völlig erschöpften Pferde, von denen ein großer Teil den letzten Vetcheck nicht passierte. Die Westernreiter haben selbst den Weltreiterverband FEI verlassen, konnten sich nicht mit den strikten Anti-Dopingregeln der FEI anfreunden und wollten am liebsten schon vierjährige Pferde bei Championaten einsetzen. Das war weder mit der FEI noch mit dem Tierwohl zu vereinbaren. Obwohl sogenannte Tierschützer bei dieser Weltmeisterschaft alle Aktionen in der Soers kritisch beäugten, fanden sie nichts, worüber sie sich erregen konnten. Keine schweren Unfälle, trotz der Hitze ☀️ in der ersten Woche und der zeitweise heftigen Regengüsse 🌧️ in der zweiten. Wenn es nach ihm ginge, könnte alle vier Jahre die WM in Aachen stattfinden, sagte Harry Charles. 💬
Aachen sah nicht nur die besten Reiter und Pferde der Welt, sondern auch das beste Publikum. Hier muss keine Polizei betrunkene und gewaltbereite „Fans“ maßregeln, hier werden keine Knallfrösche und Bengalenfeuer gezündet, sondern es wird gejubelt und geklatscht für jeden, der eine gute Leistung abliefert, egal, woher er kommt. Das können sich diejenigen, die den Fußball für den Nabel der Sportwelt halten, ruhig mal angucken.
📖 Weitere Eindrücke von der Reit-WM aus Aachen sind umfangreich in der Print-Ausgabe der PferdeSport International nachzulesen.
📸 Pferdefotografie Stefan Lafrentz