09/07/2026
Warum werden Schweizer in Gesprächen mit Deutschen unsicher?
In meinen Trainings höre ich immer wieder eine ähnliche Rückmeldung von Führungskräften und IT-Spezialisten aus der Schweiz:
“Sobald das Gespräch auf Hochdeutsch wechselt, steigt der Stresspegel.”
Dafür gibt es gute Gründe. Wer im Alltag Schweizerdeutsch spricht, schaltet im Gespräch mit deutschen Geschäftspartnern in eine andere Sprachvariante um. Das verlangt Konzentration. Wörter werden bewusster gewählt, die Aussprache verändert sich und gleichzeitig läuft das eigentliche Fachgespräch weiter.
Kommt dann noch ein sehr hohes Sprechtempo hinzu – wie es viele Schweizer bei deutschen Gesprächspartnern wahrnehmen –, wird es schnell anspruchsvoll. Manche beschreiben besonders Gesprächspartner aus dem Rheinland oder dem Kölner Raum als ausgesprochen schnell und direkt. Das ist eine Wahrnehmung, die in Trainings immer wieder geschildert wird.
Während der eine bereits beim nächsten Thema angekommen ist, verarbeitet der andere noch den vorherigen Satz. Das kann Unsicherheit auslösen – obwohl fachlich alles verstanden wurde.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Die deutsche Kommunikationskultur wird von vielen Menschen als direkter erlebt als die schweizerische. Wer gewohnt ist, Botschaften etwas behutsamer zu formulieren, empfindet diese Direktheit gelegentlich als überraschend oder sogar als Druck. Umgekehrt erleben viele Deutsche die schweizerische Art als angenehm ruhig und überlegt.
Internationale Kommunikation gelingt daher selten durch lauteres oder schnelleres Sprechen. Sie gelingt, wenn beide Seiten ihr Tempo dem Gespräch anpassen. Das heißt kurze Denkpausen zulassen und aufmerksam wahrnehmen, wie das Gegenüber Informationen verarbeitet. Für mich ist das gelebte Toleranz.
12/06/2026
Wie finde ich den Eigenton?
Viele Menschen kommen ins Stimmtraining, weil sie etwas an ihrer Stimme verändern möchten. Sie wollen überzeugender wirken, souveräner sprechen oder bei Präsentationen mehr Präsenz entwickeln. Also beschäftigen sie sich zunächst mit dem Inhalt. Mit den richtigen Worten, den guten Formulierungen und überzeugenden Argumenten.
Völlig nachvollziehbar. Und trotzdem entsteht die eigentliche Wirkung einer Stimme oft an einer ganz anderen Stelle: im Wie.
Genau hier beginnt für viele die Herausforderung. Wenn ich im Training vom Eigenton spreche, sehe ich manchmal diese Blicke, die irgendwo zwischen Neugier und leichter Verwirrung liegen. So nach dem Motto: „Eigenton? Klingt wichtig. Was ist das eigentlich?“
Eine gute Frage. Denn den Eigenton kann ich nicht erklären wie eine Bedienungsanleitung. Manchmal stehen die Gedanken im weg. Der Eigenton will erlebt werden.
Er entsteht dort, wo Stimme, Persönlichkeit und innere Haltung zusammenkommen. Dort, wo jemand aufhört, seine Stimme ständig kontrollieren zu wollen, und anfängt, ihr zuzuhören. Wo Worte nicht nur gesprochen, sondern auch gespürt werden.
Das ist allerdings nicht für jeden gleich leicht. Menschen, die sehr nasal sprechen oder ihre Stimme über Jahre eher in der Kehle „geparkt“ haben, tun sich oft besonders schwer damit. Der Eigenton ist dann zwar da, aber er versteckt sich ziemlich gut. Manchmal fühlt sich die Suche danach an wie die Brille, die ich verzweifelt suche, während sie längst auf meiner Nase sitzt.
Deshalb braucht es manchmal Geduld. Mehr Geduld, als sich viele wünschen. Der Eigenton meldet sich nämlich selten auf Kommando. Er kommt oft dann zum Vorschein, wenn der Druck nachlässt und das Hören beginnt.
Und wenn er sich zeigt, passiert etwas Spannendes. Die Stimme klingt plötzlich anders. Echter. Wärmer. Freier.
Menschen hören sich selbst plötzlich auf eine neue Weise. Sie spüren mehr Tiefe, mehr Ruhe und oft auch mehr Persönlichkeit. Die Stimme wirkt glaubwürdiger, ohne dass sie sich dafür anstrengen müssen. Sie sind präsenter, ohne lauter zu werden.
Genau deshalb lohnt sich dieser Weg. Denn wer seinen Eigenton findet, spricht nicht einfach nur besser. Er klingt mehr nach sich selbst. Das nehmen andere Menschen sofort wahr. Wir erinnern uns oft nicht mehr an jedes Wort eines Gesprächs. Aber wir erinnern uns erstaunlich gut daran, wie jemand geklungen hat. Ob eine Stimme uns berührt hat. Ob sie Vertrauen geweckt hat. Ob sie echt war.
Für mich liegt genau darin die besondere Kraft einer Stimme: Gehört zu werden – als der Mensch, der man wirklich ist. Manchmal beginnt dieser Weg mit einem einzigen Satz und der überraschenden Frage: „War das gerade wirklich meine Stimme?“
05/06/2026
Würdest Du einer Führungskraft vertrauen, deren Stimme nicht zu ihren Worten passt?
Die Antwort liegt häufig nicht in den Worten, sondern im Eigenton ihrer Stimme. In meiner Sprach- und Stimmarbeit beschreibt der Eigenton den individuellen Stimmklang, die persönliche Stimmfarbe und den unverwechselbaren Stimmcharakter eines Menschen. Er entscheidet maßgeblich darüber, wie Kompetenz, Glaubwürdigkeit und Vertrauen wahrgenommen werden.
Gerade bei Medienauftritten, Interviews, Präsentationen oder in der Führungskommunikation wird deutlich: Menschen hören nicht nur auf das, was gesagt wird. Sie reagieren auch darauf, wie es gesagt wird.
Der Eigenton zeigt sich jedoch nicht allein in der Stimme. Er wird ebenso im persönlichen Ausdruck, im Kommunikationsstil und in der individuellen Art der Vermittlung hörbar. Wer seinen Eigenton kennt und bewusst einsetzt, wirkt klarer, authentischer und präsenter.
Professionelle Kommunikation bedeutet nicht, sich eine wirkungsvolle Stimme anzutrainieren oder eine Rolle zu spielen. Sie bedeutet, die eigene Persönlichkeit so hörbar zu machen, dass Inhalt, Haltung und Stimme eine glaubwürdige Einheit bilden. Falls es für dich stimmt und dich interessiert, lass es mich wissen. Hier die Telefonnummer +491772155927
16/04/2026
„Bist du sicher, dass du wirklich weißt, wie du beim Sprechen wirkst?“
Neulich im Stimmcoaching: Am Anfang sehe ich skeptische und irritierte Blicke. Ungewohnte Übungen. Ein häufiges Feedback dabei ist „ Das fühlt sich komisch an“. oder auch „Ist das hier versteckte Kamera?“ Ja wir gehen an die Gewohnheiten heran. Jahrelang haben die Führungskräfte ja schon anders gesprochen. Es ging oft um den Inhalt. Jetzt wird die Wirkung der Stimme und der Sprache bewusst gemacht.
Ein paar Tage später kommt die Nachricht: „Wow! Hätte ich das mal früher gemacht.“ Und dann wird’s spannend. Plötzlich hören die Leute im Team genauer hin. Abstimmungen laufen klarer, Daten kommen pünktlich an, Meetings fühlen sich ruhiger an. Nicht, weil sich die Prozesse verändert haben, sondern weil sich die Wirkung verändert hat.
Eine Führungskraft hat es so beschrieben: „Ich bin gelassener. Und irgendwie folgt das Team automatisch.“ Genau das passiert, wenn Stimme und Sprache bewusst eingesetzt werden. Die eigene Präsenz wird klarer, Aussagen landen, Unsicherheit verschwindet. Was am Anfang noch ungewohnt ist, wird schnell zur Routine im Alltag. Bei den Übungen geht darum, wirksamer zu werden..
In der Arbeit mit Führungskräften zeigt sich dabei ein Muster: Entweder ist die Stimme zu leise in ihrer Wirkung und wichtige Aussagen verpuffen, oder es entsteht zu viel Druck, wodurch Inhalte schnell härter wirken als gemeint. Beides hat weniger mit Persönlichkeit zu tun als mit ungenutztem stimmlichen Potenzial.
Und genau hier setzt Training an – oft mit spürbaren Effekten schon nach kurzer Zeit. Na dann