02/09/2024
WAS KOMMT NACH DER "MYSTISCHEN ERFAHRUNG"
Viele Yogatraditionen drehen sich darum, uns ins All-Einssein zu führen und von den Fesseln dieser Welt zu befreien. Auch in der lebensbejahenden tantrischen Philosophie und Praxis finden sich diese Aspekte, Z.B. wenn es um die mystische Mitte und um die Ausdehnung des Bewusstseins geht, die letztendlich in ein Einheitsbewusstsein führen.
Meditationen können unser Herz öffnen und unser Bewusstsein enorm ausdehnen und wir erleben subtilere Dimensionen unserer Existenz. Manchmal bricht eine Erfahrung auch plötzlich über uns herein und wir erspüren die Verbindung zwischen allem und die unermessliche Liebe der Schöpfung. So etwas kann auch in einer persönlichen Krise passieren und auch unabhängig von einer spirituellen Praxis.
Doch was kommt nach so einer "mystischen Erfahrung"?
Ist danach alles anders?: Ja, so Einiges ist anders. Die gesamte Wahrnehmung und die Weltanschauung können sich ändern. Die Empfindsamkeit und das Mitgefühl gegenüber allen Wesen werden größer. Die Schönheit der Schöpfung berührt und befriedet das Herz in vielen Momenten, die vorher noch nicht diese Kraft hatten. Die eigenen Werte und leitenden Handlungsmotive werden stärker hinterfragt. Alles was irgendwie unstimmig ist, wird stärker empfunden; ... um einiges davon aufzuzählen.
Sind wir dann angekommen?: Meine Erfahrung ist NEIN. Der Weg geht weiter oder beginnt hier erst richtig.
Nicht nur die Liebe und das Schöne, sondern auch der Schmerz werden intensiver wahrgenommen. Es wird dringlicher "dem Herzen zu folgen" Auf der Reise zum SELBST möchte unser ganzes Menschsein integriert werden. Ein Verweilen in geistig-spirituellen Welten mag für Einige richtig sein. Für mich ist es das nicht. Es geht darum das eigene Leben zu leben und es geht um Integrität. Das bedeutet die Einbindung "heller und dunkler Aspekte" der eigenen Person, sowie ein Sein und Handeln im Leben, welches auf den selbst erkannten menschlich-ethischen Werten basiert.
Es braucht Mut und Kraft immer wieder hinzuschauen und sich zu fragen, bin ich integer - mir selbst gegenüber und gegenüber anderen? Wie gehe ich mit meiner erhöhten Wahrnehmung um? Wie kann ich das alles verarbeiten und integrieren? Was versuche ich auszuklammern und zu vermeiden? Was mache ich mit meinen Ängsten und Schwächen. Was ist es, was ich in mir noch nicht sehe? Achte ich meine Würde und die anderer Menschen? Lebe ich die von mir und für mich als richtig erkannten menschlich-ethischen Werte?... Das ist eine ganze Lebensaufgabe!
Diese Aufgabe würde mich wahrscheinlich masslos überfordern, wäre da nicht die Gewissheit einer allumfassenden Liebe und die Geborgenheit, die aus den "Einsseinserfahrungen" entspringt. Und Gott sei Dank gibt es da auch noch Liebe zwischen den Menschen, die diesen Prozess so heilsam unterstützt und sich selbst dadurch in ihrer Tiefe entwickelt. Vielleicht geht es auch genau darum, die erfahrene kosmische Liebe in der zwischenmenschlichen Liebe zu spiegeln.
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