29/09/2026
Als Amateurtriathletin sehe ich an meiner Pace und dem Puls beim Laufen sofort, wenn mein Schlaf schlecht war oder ich Stress habe. Als Ex-Managerin und Executive Health Advisor weiß ich aber auch, was in den Chefetagen läuft:
Viele Führungskräfte schlafen seit Jahren nur fünf Stunden pro Nacht. Sie gehen ins nächste Meeting, halten die Präsentation, treffen Entscheidungen weil ihr Kalender das so vorsieht. Vielleicht brauchen sie einen Ticken länger für ihre Antworten als sonst, aber das merkt niemand, am wenigsten sie selbst.
Ihre Müdigkeit und den chronischen Energiemangel kompensieren sie mit dem dritten Kaffee und den „Nebel im Kopf“ halten sie für „normal“. Sie kennen es nicht mehr anders und nennen es „gesunden Stress“.
Ich nenne es: Leistungsabfall auf Abo-Basis.
Der Unterschied zwischen einem Leistungssportler und einer Führungskraft?
Der Sportler merkt den Verschleiß sofort. Die Führungskraft hat verlernt zu spüren, wie sich 100 % Energie überhaupt anfühlen.
Der Grund dafür sitzt im Feedbacksystem, nicht im Körper. Der Sportler hat Uhr und Trainer. Sie erkennen jede Abweichung sofort. Die Führungskraft hingegen hat nur ihr eigenes Gefühl, ihre eigene Einschätzung ihres Energieniveaus. Und das kalibriert sich Jahr für Jahr neu an ihrem Verschleiß.
Irgendwann halten sie es für normal, ständig auf Reserve zu laufen. Ihr eigener Maßstab wandert mit ihrem Zustand mit. Genau das macht Erschöpfung auf der Managementebene so gefährlich: Sie fühlt sich nicht wie Erschöpfung an. Sie fühlt sich wie der ganz normale Alltag an.
Das Feedback, das der Leistungssportler sich durch Uhr und Trainer holt, brauchen Führungskräfte durch eine Diagnostik ihrer Leistungsfähigkeit. Eine Diagnostik, die auf Daten hört statt auf Gefühl.