15/09/2026
Deutsche Langbahn-Nationalmannschaft 2026
Warum die Langbahn-Nationalmannschaft ist wie sie ist
Wenn am 20. September in Roden die Langbahn-Team-Weltmeisterschaft ausgetragen wird,
gehört Deutschland – erneut – nicht zum Favoritenkreis. Über die Schwierigkeiten der Nominierung
und einen frustrierten deutschen Teammanager.
Er ist frustriert und fühlt sich von einigen im Stich gelassen. Die Rede ist von Jörg Tebbe, seit
vergangenem Jahr Teammanager der deutschen Langbahn-Nationalmannschaft. Eigentlich wähnte er
sich bei der Übernahme dieses Amtes in sicheren Gefilden: Deutschland, seit Jahrzehnten das Land
der mit besten Langbahn-Piloten der Welt, das Langbahn-Weltmeister en masse hervorbrachte und
nicht umsonst mit zehn (von 17 möglichen) Titeln den Medaillenspiegel der „Longtrack of nations“
unangefochten anführt. Daran wird sich auch 2026 nichts ändern. Nur ist die Wahrscheinlichkeit, in
diesem Jahr einen elften hinzuzufügen, sehr gering.
„Ich hatte Anfang 2026 mit Erik Riss, Lukas Fienhage, Daniel Spiller, Stephan Katt, Martin Smolinski,
Dominik Werkstätter sowie Timo und Fabian Wachs meinen Pool“, erzählt Jörg Tebbe. Gut gefüllt
und auf (fast) alle Eventualitäten vorbereitet. Wie zum beispielsweise jener, dass Daniel Spiller
unglücklicherweise erneut und zum dritten Mal hintereinander verletzungsbedingt ausfällt.
Bekanntlich gibt es im Vorfeld der neuen Saison auch eine Abfrage des Verbandes, welcher Fahrer
bei welchen Prädikaten antreten will und wird. Und mit Ausnahme von Martin Smolinski setzten
auch alle ein Häkchen hinter die Langbahn-Team-WM.
Tebbe hatte auch 2025 schon Probleme, ein konkurrenzfähiges Team zu nominieren. Damals lag es
allerdings ausschließlich an verletzungsbedingten und gesundheitlichen Gründen, die schließlich auch
dazu führten, dass Tebbe an Position vier noch einmal selbst aktiv ins Geschehen eingriff. Er, der
über Jahre hinweg immer als mannschaftsdienlicher Nationalteam-Player einsprang. Auf
Renneinsätze verzichtete, wenn er der Meinung war, dass ein anderer Fahrer besser geeignet sei.
Und der in seinen frühen Jahren auch einfach mal so und als eventueller „Ersatz für den Ersatz“ privat
zur Langbahn-Team-Weltmeisterschaft reiste. Ausgerechnet er musste in diesem Jahr diese sehr
bittere Erfahrung machen. Smolinski sagte ab, Katt ebenso. Erik Riss zieht es vor, am 20. September
mit dem AC Landshut in der polnischen Liga zu fahren. Das habe für ihn Priorität, sagt Riss in einem
Interview.
So also kam es in letzter Minute zur Nominierung des deutschen Nationalteams. Lukas Fienhage,
sozusagen der Stein in der Brandung, führt die Mannschaft bei seiner siebten Team-WM-Teilnahme
als Kapitän an. Neben ihm sind mit dem U23-Weltmeister des Vorjahres, Timo Wachs, Dominik
Werkstätter und Fabian Wachs lauter Nationalmannschafs-Neulinge. „Damit ist mein Pool auch
ausgeschöpft“, sagt Tebbe. Nachgedacht hat er auch über eine Nominierung der Nachwuchstalente
Jeremias Ramus und seinen Sohn Louis: „Nachteil: Sie könnten danach nicht mehr in die B-Lizenz
zurückkehren.“ Tebbe selbst kann aufgrund seiner im Frühjahr erlittenen Verletzungen in diesem
Jahr definitiv nicht ins Geschehen eingreifen. Er wird nach eigener Aussage 2027 noch ein paar
Rennen in einer Art „Abschiedstour“ fahren und dem aktiven Sport dann endgültig Adieu sagen.
Wie es ihm nach all den Absagen und den ungezählten Telefonaten geht? „Nicht gut. Ich bin sehr
enttäuscht und fühle mich im Stich gelassen, weil ich von aktiver Seite keine Unterstützung
bekomme.“ Den Kopf in den Sand stecken möchte Tebbe dennoch nicht. Schließlich war er nicht nur
2025, sondern auch 2018 Teil eines Teams, auf das kaum einer einen Pfifferling gesetzt hätte – und
das beides Mal eine Bronzemedaille mit nach Hause brachte. 2026 gilt es, sich mit Dänemark,
Frankreich, Großbritannien, Finnland, den Niederlanden und Norwegen in Roden/ Niederlande zu
messen. Favoriten sind für Tebbe die Briten und die Niederländer. „Ich glaube“, sagt Tebbe, „dass die
Bahn in Roden aber auch insbesondere unseren Neulingen im Team entgegenkommt.“ Für den
deutschen Teammanager wäre es schon ein Erfolg, wenn man in „Richtung Podium“ fahren könnte:
„Dann hätten wir richtig was geschafft!“ Am 20. September werden die Startbänder um 13.30 Uhr
erstmals in die Höhe schnellen. In jeweils sechs Vorläufen, in denen im drei-gegen-drei jeweils von
zwei Nationen gefahren wird, sammelt jede Mannschaft möglichst viele Punkte, um über sie in den
alles entscheidenden Endlauf einzuziehen.
Text: Susi Weber
BU: Mit Bronze kehrte die Deutsche Nationalmannschaft 2025 von der „Longtrack of nations“ nach
Hause. Unser Bild zeigt von links Lukas Fienhage, Stephan Katt, Mario Niedermeier, Jörg Tebbe und
Joachim Ohmer, der für Tebbe als Teammanager fungierte. Foto: Susi Weber